Vor fast 100 Jahren, am 15. November
1889, wurde von Wiesbaden aus eine Eisenbahnstrecke eröffnet, die in die
Geschichte des Bahnbaues als "Langenschwalbacher Bahn" eingegangen
ist.
Schon 1845, also gerade ein Jahrzehnt nach Eröffnung der ersten Eisenbahn
im Deutschen Bund, waren Pläne zur Erschließung des Westtaunus durch
eine Aartalbahn diskutiert worden. 1862 formierten sich in Wiesbaden, Langenschwalbach
(seit 1927 Bad Schwalbach) und Diez "Comitees", die konkrete Trassierungsvorstellungen
zwischen Rhein und Lahn entwickelten.
1868 griff die preußische Regierung das Projekt auf und betraute den bedeutenden
nassauischen Eisenbahningenieur Moritz Hilf (1819 - 1894), ehemals Betriebsdirektor
der 1866 untergegangenen Herzoglich-Nassauischen Staatsbahn und seit 1867 Mitglied
des Königlich Preußischen Eisenbahndirektoriums zu Wiesbaden mit
der Durchführung. 1870 entstand zunächst eine Stichbahn von Diez aus
in das untere Aartal. Der zweite Abschnitt brachte 1889 die Verbindung zwischen
Wiesbaden und Langenschwalbach, fünf Jahre später wurde das mittlere
Aartal erschlossen.
Hilf konzipierte die geniale Trassierung über die Eiserne Hand (421 m über
N.N.), die ohne aufwendige Tunnel- und Viaduktbauten auskam und diese Taunusquerbahn
zugleich zur steilsten Bahnstrecke im Deutschen Reich machte.
Wegen der engen Kurven und enormen Steigungen (ca. 1:30) mußten geeignete
Tenderlokomotiven sowie extrem leichte und kurze vierachsige Personenwagen (sogenannte
Langenschwalbacher) entwickelt werden.
Eine bedeutsame Rolle spielte die Langenschwalbacher Bahn schließlich
in der Verkehrs- und Sozialgeschichte des Nassauer Landes als Bäderbahn
zwischen der Weltkurstadt Wiesbaden und dem angesehenen Frauenheilbad Langenschwalbach,
das im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Treffpunkt des europäischen Adels
war.
1983 legte die Deutsche Bundesbahn den Streckenabschnitt Wiesbaden - Bad Schwalbach
still, 1986 folgte die Betriebseinstellung zwischen Bad Schwalbach und Kettenbach.
Bis zum 10.03.2000 hieß es an dieser Stelle: Auf dem verbleibenden Abschnitt zwischen Kettenbach und Diez findet nach wie vor Güterverkehr statt.
Das trifft nun nicht mehr zu, denn:
In den "Geschäftlichen Mitteilungen der DB", Ausgabe 7/2000, ist unter der laufenden Nummer 93 folgendes zu lesen:
93 Dauernde Einstellung des Betriebes der Strecke Diez - Kettenbach. Das Eisenbahn-Bundesamt hat mit Schreiben vom 02.02.2000 - 11.11 Rbsi/350 - die dauernde Einstellung des Betriebes der Infrastruktur der Strecke Diez - Kettenbach genehmigt. Aufgrund dieser Genehmigung haben wir den Betrieb der Infrastruktur der Strecke zum 10.02.2000, 0.00 Uhr für dauernd eingestellt. DB Netz AG Frankfurt am Main vom 08. Februar 2000 - NNI 1 Sw - Tel. (0 69) 2 65 - 1 91 36
Um vor allem die landschaftlich
schönste Strecke zu retten, die kurz hinter Wiesbaden Dotzheim die Waldgrenze
erreicht und auf fast 10 Kilometern durch herrliche Taunuswälder und über
den Kamm dieses Mittelgebirges bei der Eisernen Hand führt, bildeten sich
Initiativen, die sowohl den Güterverkehr (Gründung einer privatwirtschaftlichen
Aartalbahn GmbH) als auch den Personenverkehr (Interessengemeinschaft S-Bahn
Wiesbaden - Bad Schwalbach) zu reaktivieren versuchten.
Konkrete Ansätze boten sich, als es der Stadtwerke Wiesbaden AG (ESWE)
gelang, im Auftrag der Landeshauptstadt Wiesbaden die stillgelegte Trasse von
der Deutschen Bundesbahn anzupachten. Um die Bahnstrecke sinnvoll nutzen zu
können, bot ESWE den interessierten Gruppen die Zusammenarbeit bei der
Durchführung von Ausflugsfahrten an. Zum Jahresende 1985 gelang die Reaktivierung.
Tausende von Wiesbadenern und Besucher von nah und fern ließen sich in
historischen "Donnerbüchsen" von der Dampflok ELNA 184 DME der
Deutschen Museumseisenbahn über die Steilstrecke fahren.
Im Sommer 1986 wurde dann die Historisch-Technische
Vereinigung Nassauische Touristikbahn e.V. gegründet, deren Ziele sind:
- Beschaffung, Restaurierung und Erhaltung von historischen Schienenfahrzeugen,
- Erforschung und Dokumentation der Entwicklung der Eisenbahnstrecke Wiesbaden
- Diez
- Aufbau eines Museumsbahnbetriebes auf dieser Strecke.
Allein zum Jahreswechsel 1986/87 hieß es bei 18 Dampfzügen ,,Mit
Volldampf in das neue Jahr" - mehr als 3 500 Fahrgäste waren begeistert
dabei.
Mittlerweile kann die Nassauische Touristikbahn auf etliche historische Eisenbahnfahrzeuge
zurückgreifen, die nach Abschluß der Restaurierungsarbeiten und bahntechnischer
Abnahme auf der Aartalbahn eingesetzt werden.
Jung und alt bieten wir ein breites Betätigungsfeld
- als Hobby-Werker beim Wiederaufbau historischer Fahrzeuge und der Instandhaltung
der Anlagen und Gebäude,
- als Eisenbahner bei unseren Touristik-Fahrten,
- als aktives oder passives Mitglied im Rahmen unserer sonstigen Vereinsaktivitäten.
Wir bilden auch aus in den einschlägigen Fachgebieten, vor allem in bahntechnischen
Fragen, damit unsere ehrenamtlichen Helfer so fit werden wie die hauptberuflichen
Eisenbahner, die bei uns von Anfang an dabei waren.
Nachdem die über l00jährige ,,Langenschwalbacher
Bahn" (Streckenprofil) am 28. August 1987 als technisches Denkmal unter
den Schutz des Landes Hessen gestellt wurde, sind wir sicher, daß die
Nassauische Touristik-Bahn eine wichtige kulturhistorische Aufgabe wahrnimmt,
wenn sie sich für den Erhalt und die weitere Nutzung dieser denkwürdigen
Mittelgebirgsbahn einsetzt.
Im Sommer 2006 ist es nun soweit: Die NTB wird zwanzig Jahre alt. Anlaß genug für uns, eine Festschrift mit einem Abriss unserer Geschichte herauszugeben. Klicken auf das kleine Bild um sich die Titelseite als pdf zu betrachten:
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Nassauische Touristikbahn, Moritz- Hilf- Platz 2, 65199 Wiesbaden
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Sie uns:
(r)1997 Nassauische Touristikbahn